Medienrecht

Geldentschädigungsanspruch bei wahrheitswidrigem Bericht über Alkoholrückfall einer Schauspielerin in Online- und Printmagazin

LG Köln, 01.03.2017, 28 O 41/16

Das LG Köln hat entschieden, dass wenn wahrheitswidrig über eine Schauspielerin berichtet wird, sie habe nach einer öffentlichen Veranstaltung nach Alkohol gerochen und gelallt, dies eine schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung darstellt, die eine Geldentschädigung rechtfertigen kann, wenn kein anderer befriedigender Ausgleich für die erlittene Beeinträchtigung in Betracht kommt. Die Schwere der Persönlichkeitsverletzung richtet sich dabei nach allen Umständen des Einzelfalls und nach Art und Schwere der zugefügten Beeinträchtigungen sowie der Bedeutung und Tragweite des Eingriffs.
Obwohl die Klägerin in einem Interview angab keinen Alkohol mehr zu trinken, unterstellte die Beklagte der einst alkoholsüchtigen bekannten deutschen Schauspielerin im Online- und Printmagazin im Rahmen einer auf der Titelseite angekündigten Berichterstattung, einen „Alkoholrückfall“ erlitten zu haben.
Nach einstweiliger Verfügung und Untersagung unterschiedlicher Aussagen der Beklagten, forderte die Klägerin nun eine Geldentschädigung in Höhe von mindestens 35.000 €.
Das LG Köln bejahte das Bedürfnis einer Geldentscheidung, da sich der Angriff gegen die Grundlagen der Persönlichkeit richte, bzw. die Persönlichkeitsverletzung das Schamgefühl berühre. Die Beklagte habe die Charakterstärke der Klägerin angezweifelt, indem sie unterstellte, die Klägerin habe gegenüber der Öffentlichkeit über ihren Alkoholkonsum gelogen. Auch diene die Berichtserstattung nicht zu Zwecken des öffentlichen Interesses, sondern nur der “Unterhaltung”. Auch sah das Gericht die unwahre Berichterstattung der Beklagten als grobe Fahrlässigkeit an, da sie bei der erforderlichen journalistischer Sorgfalt genauer recherchiert oder angesichts der Schwere des Vorwurfs die Berichtserstattung hätte unterlassen müssen. Auch sei ein nachhaltiger Imageschaden und eine Rufschädigung der Klägerin nicht ausgeschlossen.
Aus diesen Gründen sah das Gericht eine Geldentschädigung in Höhe von 35.000 € als angemessen an.

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